„Wenn in der Seele dunkle Wolken aufziehen“

Dr. Florian Balkhau referiert vor Bramscher Landfrauen mit großem Engagement zum Thema Depressionen

„Depression ist eine Krankheit des Gefühlswesens“, beginnt der aus Wallenhorst kommende Arzt. Der Laie versteht darunter vor allem das traurig sein, ausgelöst z. B. durch den Verlust eines nahen Angehörigen oder durch Angst. Viele haben Angst z. B. vor Spinnen, Dunkelheit, Einbrechern, großen Höhen oder vor dem Fliegen. Davon ist vieles unbegründet und hat mit Depression nicht unbedingt etwas zu tun. Menschen mit Depression haben einen Mangel an Botenstoffen (Neurotransmittern), die an die Muskulatur übertragen werden. Der depressiv Kranke hat eine organische Krankheit, denn ihm fehlt der Botenstoff Dopamin, was u. a. auch die Ursache der Parkinson-Krankheit ist. Depression lässt sich also mit Medikamenten behandeln, wobei sich der Bedarf an Medikamenten ändern kann, denn Dopamin hängt verschiedenen Neurotransmittern an.


Übrigens sind ca. 10% der Depressiven Männer, ca. 20% sind Frauen. Den Unterschied erklärt Florian Balkhau damit, dass Männer über ihre Krankheit schweigen, während Frauen darüber reden können.
Zur Häufigkeit des Auftretens einer Depression liefert der Referent bezogen auf Deutschland eine kleine Übersicht: 1983 waren 10% und 2006 30% der Berufsunfähigen psychisch krank, 2015 jeder 10. Mann und jede 5. Frau. 13% des Budgets der Krankenkassen, das entspricht 44Mrd.€ werden für psychisch Kranke ausgegeben.

Im Folgenden nennt Dr. Florian Balkhau drei gestörte Funktionsbereiche, an denen eine Depression erkennbar werden kann:

  • Starke Überreaktionen im Affekt
  • Kognitive Symptome wie z. B. Grübeln, verminderte Konzentrationsfähigkeit sowie eine negative Sichtweise auf die eigene Person und auf die Umwelt. Das ist u. a. zu erkennen an einer Beeinträchtigung des Denkens und Fühlens, Interessenlosigkeit, Niedergeschlagenheit, sowie der Äußerung von vermindertem Selbstwertgefühl, von einem Gefühl der Gefühllosigkeit und von Suizidgedanken. Beim Erkennen einer Suizidgefahr sollte die Person darauf angesprochen werden z. B. mit den Fragen „Willst du dich umbringen?“ und „Wie?“. Dem Depressiven soll das Versprechen abverlangt werden, sich nicht das Leben zu nehmen. Auf keinen Fall darf Mitleid gezeigt werden. (In Deutschland gibt es 11000 Selbstmordfälle pro Jahr.
  • somatische Symptome wie z. B. Schlafstörungen, veränderter (zu viel oder zu wenig) Appetit, das „Morgentief“, Verlust der Lebensfrische und Schmerzen. Fast 70% der Patienten mit Depression haben körperliche Beschwerden, die so vielseitig sind, dass sie nicht nur körperliche Ursachen haben können. Eine Depression ist auch daran zu erkennen, ob jemand „mitschwingt“: Wenn z. B. auf einen netten Scherz normalerweise ein Lächeln des Gegenübers folgen sollte und das ausbleibt. Eine Depression hört irgendwann von alleine auf. Helfen können Antidepressiva, die normale Stimmungsphasen verlängern und dadurch depressive Phasen verkürzen.

Die Behandlung einer Depression muss vielschichtig sein. Dr. Balkhau nennt dafür verschiedene Ansätze wie eine psychodynamische und tiefenpsychologische Therapie, eine Verhaltenstherapie, eine Pharmatherapie, eine Lichttherapie und Schlafentzug.

Zur Pharmatherapie weist der Referent darauf hin, dass die Wirkung von Antidepressiva erst nach drei Monaten eintritt und dass nur zweidrittel der Patienten auf das erste Medikament ansprechen. Sie können großzügig verordnet werden, denn sie machen nicht abhängig, im Gegensatz zu Tranquilizern.

Das kurze Fazit von Dr. Florian Balkhau lautet:

Eine Depression kann jeden treffen; die Ursachen sind immer komplex; eine multimediale Therapie ist erforderlich; die Hälfte der Patienten mit Depression ist nach ca. 120 Tagen gesund.